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Sachverhalt Fall 5:

Ein 19-jähriger Schüler wohnt bei seiner Mutter. Er geht noch zur Gesamtschule und verlangt von seinem Vater Unterhalt. Der Vater hat ein bereinigtes monatliches Nettoeinkommen von 1.690 EUR monatlich, die Mutter von 1.330 EUR. Weitere Unterhaltsverpflichtungen bestehen nicht.

Unterhaltsberechnung: Da das Kind volljährig ist, sind jetzt beide Eltern verpflichtet, Unterhalt zu zahlen. Anders als bei minderjährigen Kindern also auch die Mutter, bei der der Junge wohnt. Das Einkommen beider Eltern ist zusammenzurechnen (= 3.020 Euro). Sie fallen dann in 5. Einkommensgruppe der Düsseldorfer Tabelle. Der zu zahlende Unterhalt beträgt nach Abzug des vollen Kindergeldes 402 EUR.

Danach sind die Haftungsanteile der beiden Eltern zu ermitteln: Vom Einkommen beider Eltern ist der Selbstbehalt (950 EUR) abzuziehen, um es vergleichbar zu machen (eine Haftung nach der Quote beider Einkommen hat der BGH ausdrücklich abgelehnt). Beim Vater verbleiben also 1.690 EUR - 950 EUR = 740 EUR, die er für den Sohn maximal aufbringen könnte, bei der Mutter 1.330 EUR - 950 EUR = 380,00 Euro. Zusammen sind das 1.120 EUR.

An diesen 1.120 EUR ist der Vater mit 740 EUR beteiligt, das sind 66%. Die Mutter ist an diesen 1.120 EUR mit 380 EUR beteiligt, das sind 34%.

Mit dem selben Prozenstsatz sind die Eltern am Unterhalt für den Jungen zu beteiligen:

Der Haftungsanteil des Vaters beläuft sich dann auf 66% von 402 EUR = 265 EUR, der der Mutter auf 34% von 402 EUR = 137 EUR .

Kontrollrechnung: Der Haftungsanteil des einzelnen Ehegatten darf aber nicht über dem liegen, was er zahlen müßte, wäre er allein barunterhaltspflichtig.

Das wären beim Vater 329 EUR, diese Grenze ist also gewahrt.

Zwischen ehelichen und nichtehelichen Kindern besteht grundsätzlich kein Unterschied mehr. Nichteheliche Kinder sind in allen Belangen, also zum Beispiel auch im Erbrecht, und selbstverständlich auch im Unterhaltsrecht, ehelichen Kindern gleichgestellt.

Der wichtigste Unterschied zwischen minderjährigen und volljährigen Kindern ist, dass für volljährige Kinder kein Betreuungsbedarf mehr besteht. Das bedeutet, dass ausschließlich Naturalunterhalt zu leisten ist.

Gemäß § 1603 II Satz 2 BGB stehen volljährige Kinder, die noch in der allgemeinen Schulbildung sind, minderjährigen Kindern gleich. Dies hat Konsequenzen bei der gesteigerten Erwerbsverpflichtung der Eltern und beim Selbstbehalt.

Naturalunterhalt wird häufig in der Form der Gewährung von Unterkunft+Essen geleistet. Barunterhalt ist der Unterhalt, der dazu dient, das Kind durch Geldzahlungen am Leben zu halten. Betreungsunterhalt ist der Unterhalt, der in der Form von Schutz, Erziehung und Betreuung des Kindes geleistet wird („Mach endlich Deine Hausaufgaben ...“).

Die wichtigste Konsequenz daraus: Da kein Betreuungsunterhalt mehr geleistet werden kann, ist beim volljährigen Kind die Barunterhaltspflicht auf beide Eltern zu verteilen.

Für Studierende gilt grundsätzlich ein Bedarfssatz von 670,00 Euro, wenn der Student nicht bei einem Elternteil wohnt. Dies ist normalerweise auch der Bedarfssatz eines Kindes mit eigenem Haushalt (Düsseldorfer Tabelle Anm. 7).

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